Aldo Betschart  
 

Kurzgeschichten

> Die beiden Nachbarn von Knockananna

Erschienen in der September-Ausgabe 2011 des Luzerner Kulturmagazins "Literaturpause"

> Tagebuch eines Phantoms

Eine Auswahl: 6 Kurzgeschichten, veröffentlicht 2002 im "Bote der Urschweiz"

Tagebuch eines Phantoms verfasst

> Besessen vom Geist Friedl Martys

(…) Ein unsäglicher Alarm des Horrors bemächtigte sich meiner. Um mich in meiner Furcht eines Besseren zu belehren, trat ich mit rasendem Herzen zur Tür heran und spähte durch das offene Guckfenster ins Zelleninnere. Obwohl man im tiefen Schwarz unmöglich etwas ausmachen konnte, wusste ich doch, dass sich so etwas wie der unglücklich gestrandete Klabautermann in der Zelle befand, weil ich ihn atmen hörte - atmen wie ein wildes Tier. Ich hörte ein Polster nachgeben, das Schlurfen zweier Füsse auf dem glatten Zellenboden, und dann erschien in der Dunkelheit eine Gestalt vor mir, deren grauenvoller Ausdruck tiefster Niedergeschlagenheit mein Herz beinahe zerspringen liess. (…)

> Die Geschichte vom geölten Blitz

Das tragische Leben des von Gott oder dem Teufel beschenkten Bill Weathers. Beliebt, bekannt aber unverstanden, prägt die öffentliche Presse jahrzehntelang die allgemeine Meinung über seine Person. Der Ruhe suchende, sich verflucht wähnende Weathers scheitert am Unverständnis der Mitmenschen, die seines Erachtens nur eine Attraktion in ihm sehen. Nach einem letzten fulminanten Missverständnis bleibt dem Wunderknaben nur die Flucht. Das Paradox: Die Legende lebt weiter. Er wird trotzdem 'geliebt'. (…)

> Von Liebe, Natur und Tod – der ewigen Oper

(…) Er öffnet den Hosenlatz seiner 80 Franken-Jeans und uriniert mit kräftigem Strahl an einen der vielen Buchenstämme. Das Gefühl der Erleichterung, mehr noch als ein gottgegebenes, seufzt Dietmar Sägeherr mit der viel sagenden Mimik des erleuchteten Waldspaziergängers. Ein gar herrliches Plätschern, ein Geräusch des Weltfriedens; es ergiesst sich der gelblich-trübe Urin über die Rinde des kräftigen Baumes; mit all seiner Wärme und herzlichen Grüssen von der Harnröhre, die ihrerseits im „wurde langsam Zeit“ der Körpersprache aufseufzt. Er will den Piephahn gerade einpacken, da kracht ein Schuss. (…)