Aldo Betschart  
 

Archiv 2012

Dienstag, 22. Mai 2012: Ob dem Anblick zu schmunzeln, den ein Milchgesicht mit einer Zigarette im Mund hervorruft, ist nichts Unrechtes. Im Gegenteil: Nie sonst wird Dilettantismus echter gespielt.

Montag, 21. Mai 2012: Die Gereiztheit des anderen gibt der eigenen Gutmütigkeit erst die Veredelung.

Sonntag, 20. Mai 2012: Die unter dem Stern der Perfektion Geborenen vermögen selbst ihre Feinde zu überzeugen, nachdem sie mit Talent, Egoismus und Penetranz die erste Million verdient haben.

Samstag, 19. Mai 2012: Der Schweizer Landgasthof: Eines der letzten Refugien für Ruhe suchende Nostalgiker, solange man nicht in der Nähe des Kinder-Spielplatzes sitzt.

Freitag, 18. Mai 2012: In aller Stille vermögen wir Gewaltiges zu leisten; das Dumme ist nur, dass es dann meistens niemand mitbekommt.

Donnerstag, 17. Mai 2012: Der Wunsch, ein eigenes Haus zu bauen oder es mindestens zu besitzen, ist artgerecht; schliesslich waren wir noch nie sehr bescheiden.

Mittwoch, 16. Mai 2012: Schaue hin, wie umsichtig jemand ein Parkfeld besetzt, und du weisst, mit was für einem Typ Mensch du es zu tun hast.

Dienstag, 15. Mai 2012: Einst suchte der Mensch die Gesellschaft; heute versucht er, sich davor zu retten.

Montag, 14. Mai 2012: Wer es immer gut mit anderen meint, trinkt seinen Schnaps automatisch schneller.

Sonntag, 13. Mai 2012: Erwachsene: Kompliziertheit ist ihr schlimmstes Laster.

Samstag, 12. Mai 2012: Einen Ort satt haben, das ist immer gut. Umso mehr Neues steht einem offen.

Freitag, 11. Mai 2012: Die Bergbahn nimmt dem Berg mehr, als sie dem Menschen gibt, der gelernt hat, überall zu sein und nicht zu hinterfragen.

Donnerstag, 10. Mai 2012: Die tägliche Beschäftigung im Rentenalter ist eines der letzten heiklen Themen; um die Freiheit, die man im Leben kaum genossen, weiterhin auszuklammern.

Mittwoch, 9. Mai 2012: Womöglich ist sterben wie die Heimkehr nach einem langen, anstrengenden Tag.

Dienstag, 8. Mai 2012: Es gibt keine Gewohnheit, die es nicht wert wäre, gepflegt zu werden, egal wie verhasst sie uns ist oder wie unerfindlich der Grund dafür sein mag.

Montag, 7. Mai 2012: Sauberes Täubchen sauber gelandet!

Sonntag, 6. Mai 2012: Wehe(n)! Unterschätzt nicht die Kraft des vollen Mondes.

Samstag, 5. Mai 2012: Ein Turm allein ist zu klein, um 'prime' zu sein.

Freitag, 4. Mai 2012: Die moderne Gesellschaft ist reine Unterhaltungsmusik.

Donnerstag, 3. Mai 2012: Unbedingte Ehrlichkeit gegenüber dem Arzt empfiehlt, den Lebenswandel nicht sonderlich zu beschönigen, aber immerhin so zu tun, als ob man Besserung schwört.

Mittwoch, 2. Mai 2012: Die Migräne sollte nicht mit der Muräne verwechselt werden. Letzteres ist ein Meeresbewohner, dem Migränezustände bisher nicht nachgewiesen werden konnten.

Dienstag, 1. Mai 2012: Oh Tag der Arbeit, warum schielst du nicht nach Griechenland?

Montag, 30. April 2012: Gerade die engsten Freundschaften benötigen einen regelmässigen physischen Abstand, damit die schonungslose Ehrlichkeit nicht zum Maurer wird.

Sonntag, 29. April 2012: Eine Passion zu leben, das heisst, ausserordentliche Leistungen spielend auf sich zu nehmen.

Samstag, 28. April 2012: Weichen werden einem gestellt, ob man will oder nicht; bis man eines Tages merkt, dass das Beste am Ziel die Durchfahrt war.

Freitag, 27. April 2012: Der würzige Duft des Frühlings liegt in der Luft: Wo der schlechte Geschmack der Menge für einmal nicht zum Tragen kommt.

Donnerstag, 26. April 2012: Der Niedergang der Jahrtausende alten Privatwirtschaft, wo Menschen mit Menschen direkt Handel treiben, verschwindet zugunsten politisch motivierter Grosskonzerne, wo Macht alles ist und das Individuum nichts. - Es ist das Perverse, das hinter der Maske des 'Freundes' steckt.

Mittwoch, 25. April 2012: Im Wandel der Zeit wird es wieder eine Annäherung unter den Menschen geben, die alle Zivilisiertheit Lügen straft, wenn Schädel gesammelt werden, anstatt Aktien angelegt.

Dienstag, 24. April 2012: Solange sich herbe Enttäuschungen im Nachhinein als Glücksfall herauskristallisieren, ist gegen eine Pechsträhne nichts einzuwenden.

Montag, 23. April 2012: Wenn ein Multi wie Nestlé seinen immensen Gewinn nicht halten kann, bekommt man fast den Eindruck vermittelt, das Ende des Schokoriegels stünde bevor.

Sonntag, 22. April 2012: Es gibt kein spannenderes Wetter als dasjenige im Monat April. Hoch- und Tiefdruck wechseln im Minutentakt ab, während Migräneanfälle das meteorologische Schauspiel bis auf die Knochen spürbar machen.

Samstag, 21. April 2012: Erklärtes Ziel der westlichen Welt ist es, den Menschen noch älter werden zu lassen, im Namen der Demokratie und der zunehmenden Verarmung.

Freitag, 20. April 2012: Ältere Männer werden gemeiner, je älter sie werden. Das ist das grosse Geschenk für den Niedergang der Jugend.

Donnerstag, 19. April 2012: Sich mit Begeisterung in etwas hineinstürzen, das schliesst ein ganzheitliches Scheitern von vorneherein aus.

Mittwoch, 18. April 2012: Wenn Frankreich wählt, geht es für einmal nicht um die Wurst, sondern darum, wie viel importierte Gänseleber ein Franzose nicht verträgt.

Dienstag, 17. April 2012: Nicht unnötig etwas riskieren; diese Devise lohnt nur, wenn es um die Erhaltung der Liebe oder des Friedens geht.

Montag, 16. April 2012: Manchmal lohnt es, darüber nachzudenken, warum Dinge uns die Kraft rauben, die eigentlich das Gegenteil bewirken sollten.

Sonntag, 15. April 2012: Hollywood müsste ein Schlafmittel anmelden und patentieren lassen, aber selbst dafür fehlt die Idee.

Samstag, 14. April 2012: Das mittlere Alter ist Wiege und Hofstaat des Humors, wo Jung und Alt vor Kamikaze-Einsätzen niemals sicher sind.

Freitag, 13. April 2012: Die Regierung Nordkoreas mausert sich mit militärischer Genauigkeit zur hassenswertesten Landes-Führung. Da hilft es auch nichts, wenn ihre Raketen ins Wasser fallen.

Donnerstag, 12. April 2012: Jung lässt sich hervorragend schnell leben, nur saust man meistens an den Herrlichkeiten vorbei.

Mittwoch, 11. April 2012: Begrüsst schon jetzt die Agglomeration, bevor sie morgen ans Stadttor klopft.

Dienstag, 10. April 2012: Disziplin kann das Beste aus dem Menschen herausholen; sie kann aber auch das Gesunde zum Verschwinden bringen.

Montag, 9. April 2012: Wer Zweisamkeit nicht schätzt, schätzt Einsamkeit erst recht.

Sonntag, 8. April 2012: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Ernesto Pal. Im Himmel gibt's heut Freibier!

Samstag, 7. April 2012: Früher oder später wird Uninteressiertheit immer bestraft.

Freitag, 6. April 2012: Nur eines ist noch erbaulicher als der Geburtstag eines eigenen Kindes: Das Ableben derer, die man verabscheut.

Donnerstag, 5. April 2012: Das gute Buch wird verraten, seitdem die 'Starbucks'-Seuche auch renommierte Bücherläden befallen darf, die einem Allesfresser Platz einräumen.

Mittwoch, 4. April 2012: Je durchorganisierter, desto unvorbereiteter wird man getroffen.

Dienstag, 3. April 2012: Heirat: Der Bund zweier Menschen, die künftig in der glücklichen Lage sind, sich scheiden zu lassen.

Montag, 2. April 2012: Mit 40 glaubt man, gegen die Nervosität generell gewappnet zu sein. Das ist nur eines der vielen Irrtümer, dem Menschen dieses Alters noch immer erliegen.

Sonntag, 1. April 2012: Wer Ruhe bewahrt, hat alles.

Samstag, 31. März 2012: Eine Einheit, die die Zeiten überdauern soll, wird auf dem Amboss des gegenseitigen Respekts geschmiedet.

Freitag, 30. März 2012: Eine wirklich wichtige Gala lässt alle durstig zurück.

Donnerstag, 29. März 2012: Das Auto-Navigationsgerät lässt daran denken, dass wir einmal selbstbewusst genug waren, eine Strassenkarte zu lesen und das Fahrziel zu finden - früher oder später.

Mittwoch, 28. März 2012: Wo der Weg ansonsten frei wäre, lauert schon der Beamte.

Dienstag, 27. März 2012: Wenigstens im Geiste sollte jeder Mann Bartträger sein.

Montag, 26. März 2012: Wenig Arbeit = wenig Verdienst. Aber die Zeit dazwischen ist unbezahlbar.

Sonntag, 25. März 2012: Wesentliche Ideen geraten 'vorübergehend wegen anderen notwendigen Prioritäten' ins Vergessen; das ist ein Normalzustand bei Menschen, denen Zahlen mehr liegen als Gewissensfragen.

Samstag, 24. März 2012: Wird ein Vierzigjähriger beim Kauf eines Bieres zum zweiten Mal vom selben jugendlichen Kassierer nach dem Ausweis gefragt, sollte man ihm beim dritten Mal das Geld für eine Brille hinlegen.

Freitag, 23. März 2012: Schlafmangel heisst die am meisten geförderte Droge der Neuzeit.

Donnerstag, 22. März 2012: Nach Nachtarbeit kommt Morgenrot.

Mittwoch, 21. März 2012: Kniend lässt sich leichter über Leute Witze machen, die stehen müssen.

Dienstag, 20. März 2012: Gesundes Misstrauen ist die beste Lebensversicherung.

Montag, 19. März 2012: Die glaubwürdigste Erklärung, was der feine Unterschied zwischen Regeln und Gesetzen ausmacht, kann ein Mensch liefern, der lieber zockt als bezahlt.

Sonntag, 18. März 2012: Taub lässt sich schwer über Sternkunde sprechen.

Samstag, 17. März 2012: Je älter man wird, desto mehr glaubt man ans Gefunden-werden, als ans Finden.

Freitag, 16. März 2012: Erfolgreiche Firmen verstehen es, das Geld ihrer Abonnenten zu nehmen, während sie unausgegorene Dienstleistungen auf Kosten der Zahlenden zu 'verbessern' wissen.

Donnerstag, 15. März 2012: Tue zu zweit, was du nicht auch zu dritt tun könntest.

Mittwoch, 14. März 2012: Es gibt leider immer mehrere Wahrheiten.

Dienstag, 13. März 2012: Die gegenwärtige Devise auf Erden scheint zu lauten: "Warum einfach, wenn es kompliziert geht?"

Montag, 12. März 2012: Wer zu laut brüllt, ruft alte Erinnerungen wach.

Sonntag, 11. März 2012: Von allen Büchern stellt die Bibel den höchsten Buch-Preis in Aussicht: Wer den darin abgedruckten Ratschlägen nicht Folge leistet, bezahlt mit Fegefeuer und Verdammnis.

Freitag, 9. März 2012: Bei Seite 1000 angekommen und noch nicht am Ende angelangt. - Es gibt Autoren, denen zum Aufhören die Idee fehlt.

Donnerstag, 8. März 2012: Falsche Adressangaben sind ärgerlich, haben aber einen hohen Unterhaltungswert.

Mittwoch, 7. März 2012: Schüchternheit ist eine Art des Verhaltens, die einem meistens sympathischer wird, je besser man die Betroffenen kennenlernt.

Dienstag, 6. März 2012: Am Anfang war die Moral, doch am Ende fehlte das Geld.

Montag, 5. März 2012: Es gibt Autos, die eine Beanstandung an die Herstellerfirma regelrecht herausfordern, etwa, wenn sie sich beim Wenden als zu lang erweisen.

Sonntag, 4. März 2012: Einst war Freiheit ein Wort, das Hoffnung machte. Heute versuchen wir, nicht daran zu denken, um nicht vor lauter Scham umzukommen.

Samstag, 3. März 2012: Indisches Essen, so hervorragend es schmeckt, ist eine Herausforderung für den Magen, die kein Bier der Welt zu schmälern vermag.

Freitag, 2. März 2012: Die grösstmögliche Ehrlichkeit kommt von scheidenden Angestellten.

Donnerstag, 1. März 2012: Wenn im Augenblick etwas ermüdend ist, dann die wintermüde Einstellung der breiten Öffentlichkeit.

Mittwoch, 29. Februar 2012: "In den 60er Jahren hiess es, das Beste an Winterthur sei der Schnellzug nach Zürich!" - Kommentar eines alteingesessenen Bewohners der Stadt Winterthur.

Dienstag, 28. Februar 2012: Ein Fingerring 'mit Bedeutung' muss nicht viel kosten; zumal die meisten Versprechen ein kostspieliges Andenken nicht wert sind.

Montag, 27. Februar 2012: Noch vor 30 Jahren hiess es beim Kinder-Zahnarzt: "Die Zähne sind leidlich gesund, weiter so!" Heute heisst es: "Wunderbar! Eine Zahnspange wird das Kind ohnehin brauchen!"

Sonntag, 26. Februar 2012: 'Einen Gegenstand kann man ersetzen', aber soll man sich deswegen besser fühlen, wenn er kaputt ist und die Mittel für eine Neuanschaffung knapp sind?

Samstag, 25. Februar 2012: Ein Vorname ist höchstens halb so wichtig wie alle denken. Wäre es anders, dann gäbe es keinen Nachnamen.

Freitag, 24. Februar 2012: Steht ein Hochbett im Kinderzimmer, wird der Psychologe wahrscheinlich sagen: "Die Eltern dieser Kinder suggerieren ihren Sprösslingen bewusst oder unbewusst eine Überlegenheit gegenüber Kindern, die in herkömmlichen Betten schlafen!"

Donnerstag, 23. Februar 2012: Ein beschissener Tag ist immer noch schlechter als gar keiner.

Mittwoch, 22. Februar 2012: Nach dem letzten Lagerfeuer werden selbst die Amerikaner begriffen haben, was einen Afghanen richtig sauer macht.

Dienstag, 21. Februar 2012: Sich nichts anmerken lassen, das ist die wahre Kunst!

Montag, 20. Februar 2012: Ein Wiedersehen mit langjährigen ehemaligen Mitarbeitern ist wohltuend und heilsam. Die Vergangenheit ruht und die Gegenwart tut umso besser.

Sonntag, 19. Februar 2012: Petitionen sind etwas Grossartiges. Man unterschreibt und hat sogleich das Gefühl, die Welt ein wenig gerettet zu haben.

Samstag, 18. Februar 2012: Grosszügigkeit ist ein Wesenszug, den die meisten Menschen bei anderen erfahren möchten, nicht aber bei sich selbst.

Freitag, 17. Februar 2012: Die durchschnittliche Schweizer Hotellerie zieht den Gästen das Fell über die Ohren, mit der Begründung, ein gutes Bett im Heidiland sei den Reisenden ein Luxus, vor dem es kein Entrinnen gebe.

Donnerstag, 16. Februar 2012: Theorien sind etwas, das ungefähr anwendbar ist, etwa nach dem Beispiel Arbeit: Grössere Anstrengungen nach Möglichkeit vermeiden.

Mittwoch, 15. Februar 2012: Als 'teamfähig' dürfen diejenigen Arbeitskräfte bezeichnet werden, die sich vom Gruppengeist absorbieren lassen, selbst wenn das Team nur aus zwei Leuten besteht, die lieber Kaffee trinken würden.

Dienstag, 14. Februar 2012: Nichts auf der Welt ist mehr gefährdet als die überragende Idee eines armen Schluckers.

Montag, 13. Februar 2012: Innert 9 Monaten werden wir in Gang gebracht, um dann innert 80 Lebensjahren der Frage hinterherzuhinken, wozu das alles gut war.

Sonntag, 12. Februar 2012: Drogen sind schlecht für die Gesundheit, haben aber einen hohen Unterhaltungswert.

Samstag, 11. Februar 2012: So manche Randfigur der Gesellschaft lehrt einen mehr als der gebildetste Lehrer es je könnte.

Freitag, 10. Februar 2012: Das einzig Erfreuliche an der Bürokratie ist der Fakt, dass sie sich selbst von heiligen Angelegenheiten nicht abschrecken lässt.

Donnerstag, 9. Februar 2012: Ein Polterabend ist etwas für Leute, die in ledigen Jahren zu anständig waren.

Mittwoch, 8. Februar 2012: Heutzutage ist die Technik gerade gut genug, um uns unsere Abhängigkeit vor Augen zu führen.

Dienstag, 7. Februar 2012: Es würde nicht überraschen, wenn der Ingenieur des Cisalpino-Zugs Besitzer eines Busunternehmens wäre. Anders ist die blödsinnige Enge der Wagen nicht zu erklären.

Montag, 6. Februar 2012: 'A bird is known by its song - a man by his conversation' The Palace Bar, Dublin

Sonntag, 5. Februar 2012: Ein Heiratsantrag, der im ersten Moment von der Angebeteten nicht ernst genommen wird, kann eine Vorgeschichte aufweisen, die dazu bestimmt war, im Ernstfall zulasten des Antragstellers zu gehen.

Samstag, 4. Februar 2012: Im Dubliner Guinness Storehouse erfährt der Besucher, wie der eigentliche Volksheld Irlands heisst: Arth Guinness - der die Wasserzufuhr für sein Bier vor dem Sheriff mit der Axt verteidigte.

Freitag, 3. Februar 2012: Flughafenbestimmungen: Effektiv genug, um VOR der Reise für Aufregung zu sorgen.

Donnerstag, 2. Februar 2012: Die weniger Zuversichtlichen unter uns meinen, dass der stetig wachsende Datenstrom nicht ins Tal von Eldorado mündet, sondern geradewegs in die Hölle.

Mittwoch, 1. Februar 2012: Heirat und Kinder - Kinder und Heirat: Wer über der Sache steht, der werfe den ersten Stein.

Dienstag, 31. Januar 2012: Wer 'in sich' ruht, kommt aus dem Schlafen nicht mehr heraus.

Montag, 30. Januar 2012: Dem Tod durch erfrieren wird Ehre gemacht, indem man ihn als eine der angenehmsten unnatürlichen Todesarten betitelt. Laut Aussagen gleich mehrerer noch Lebender kann daran kein Zweifel bestehen.

Sonntag, 29. Januar 2012: Die grösste Unzulänglichkeit, die die Schweiz darstellt wie sie ist, stellt die generelle Unfreundlichkeit im Gastgewerbe dar. Dieser Makel wird besser gehütet als das Bankgeheimnis.

Samstag, 28. Januar 2012: Auf heimatlichen Pfaden scheut der Heimkehrer weder Tod noch Teufel, es sei denn, im heimischen Bett ist es unterdessen zu eng geworden.

Freitag, 27. Januar 2012: Solange der Vater die Stellung hält, ist es bis zur eigenen Kindheit nicht weit.

Donnerstag, 26. Januar 2012: Hotels: Je mehr Sterne, desto schlechter die Musik.

Mittwoch, 25. Januar 2012: Meide die Menge und spüre den Blick aller, sobald du auftauchst; alsdann erfährst du erneut, weshalb du die Menge meidest.

Dienstag, 24. Januar 2012: Die Kleine Schneefräse muss in Davos erfunden worden sein. Jeder Pensionär lenkt sie dort mit eifrigem Stolz durch schmale Wege, Vorplätze und Strassen, ungeachtet der Schneelast, die unterdessen sein Hausdach zum Einstürzen bringt.

Montag, 23. Januar 2012: Wer vermögend werden will, braucht nur beim WEF vorzusprechen.

Sonntag, 22. Januar 2012: Das Frotteetuch ist ein Zubehör, das sich in der Modewelt bisher nicht durchgesetzt hat, obschon man sich dort gern die Hände reibt.

Samstag, 21. Januar 2012: Schnee allein ist kein Beruf; doch wo er unter Menschen hinfällt, gibt er viel zu tun.

Freitag, 20. Januar 2012: Eines der Mysterien des Lebens ist der plötzliche durchschlagende Erfolg in einer Sache, an die der Schaffende bzw. seine Witwe nach Jahren der Durststrecke beinahe nicht mehr geglaubt hat.

Donnerstag, 19. Januar 2012: Über die Schifffahrt wird heute viel gesagt und geschrieben, niemals aber, dass schwimmende Städte mit einem Fassungsvermögen von bis zu 4000 Menschen zwangsläufig eine Mutprobe sind.

Mittwoch, 18. Januar 2012: Ältere Männer sprechen erst offen, wenn die Zuhörerschaft schlimmer dran ist als sie selbst.

Dienstag, 17. Januar 2012: Wer beleidigt, hält dem Druck nicht stand.

Montag, 16. Januar 2012: Faulheit ist keine Krankheit, sie bedarf nur manchmal der Lüge, um nicht übermässig ins Gewicht zu fallen

Sonntag, 15. Januar 2012: Mit der Menge baden ist nur etwas für Hartgesottene. Wer es reinlicher mag, der wäscht sich zu Hause.

Samstag, 14. Januar 2012: Wir haben einen Stand erreicht, wo Entspannung an jeder Ecke für teures Geld angeboten wird, von Leuten, für die Entspannung selbst ein Fremdwort ist.

Freitag, 13. Januar 2012: Die Krankheit, die uns kleinkriegt, muss nicht erst erfunden werden.

Donnerstag, 12. Januar 2012: Mit dem Geruch neuer unverbrauchter Technik atmen wir die künstliche Atemluft kommender Jahrhunderte.

Mittwoch, 11. Januar 2012: Wer im Industriequartier - wo alles mehr oder weniger gleich aussieht - neu ist, läuft Gefahr, auch mal einen Tag lang für die falsche Firma zu arbeiten.

Dienstag, 10. Januar 2012: Tue dein Werk im Stillen, um überraschend zu sein.

Montag, 9. Januar 2012: Das Handwerk hat seine Würde niemals eingebüsst; dennoch scheint es seinen Ruf verteidigen zu müssen gegen bürokratische Tätigkeiten, bei deren Ausübung die Angestellten ausser Muskelschwund nichts gewinnen.

Sonntag, 8. Januar 2012: Die Frau ist an allem Schuld; die Bibel sagt es und das Geld sagt es, welches sie für den Mann 'macht', während dieser allgemein nichts Böses denkt!

Samstag, 7. Januar 2012: Das Unterbewusstsein des Menschen ist eine Müllhalde, die nicht aufgeräumt werden darf. Ohne sie besteht kein Depot der Verdrängung mehr, das unser Gehirn von Geburt an sorgfältig angelegt hat.

Freitag, 6. Januar 2012: Das Bild der Drei Könige ist endgültig veraltet. Die Menschheit hat genug von selbstgefälligen Monarchen und korrupten Politikern. Alle Macht dem Volk. Die Zeit der Revolution ist angebrochen!

Donnerstag, 5. Januar 2012: Der Proletarier, der es verdient, als solcher erkannt zu werden, verdient wenig, macht sich vor seiner Zeit zum körperlichen Wrack und ist stolz darauf.

Mittwoch, 4. Januar 2012: Im Matsch liegend misst ein 10 Meter langer, geschmückter Weihnachtsbaum ungefähr ein Zehntel seiner früheren Gesamtpräsenz, denn alle Majestät ist ihm genommen und die Säge besorgt den Rest.

Dienstag, 3. Januar 2012: Manche Erkenntnisse der Wissenschaft sind ungemein tröstlich: Schlafen nachweislich mehrere miteinander bekannte Personen ohne ersichtlichen Grund miserabel, werden es die weitgereisten Sonnenwinde veranlasst haben.

Montag, 2. Januar 2012: Der Hahn, der ein Hybrid ist, liebt es abenteuerlich; deshalb hat er es auf alle Hennen abgesehen, nicht wie die reinrassigen Gockel, die sich zu fein sind, um Kreuzungen in Kauf zu nehmen.

Sonntag, 1. Januar 2012: Einen 1. Januar kann man den Schwänen füttern.

Samstag, 31. Dezember 2011: Silvester heisst, ein neues Jahr im Würgegriff der Bürokratie willkommen zu heissen, in der leisen Hoffnung, ein grösseres Stück vom Kuchen abzubekommen als bisher.